Warum ich gekündigt habe
"Warum hast du gekündigt?"
Das ist so ziemlich die einzige Frage, die mir gestellt wird wenns um „jobs“ geht. Und jedes Mal zögere ich. Nicht weil ich es nicht weiß. Sondern weil die echte Antwort vielschichtig und mir immer noch etwas unangenehm ist.
Ich habe sehr gerne an Schulen unterrichtet, wirklich sehr gerne. Und es gab in den letzten mindestens zehn Jahren mehrere Schulen und unterschiedliche Schulformen: Gymnasien, Berufsschulen, Fachoberschule, privat oder staatlich.
Wobei da waren immer die zwei Teile:
+) die eigentliche Arbeit mit den Schülern hat mirsehr viel Spass gemacht. Dh das eigentliche Präsenz-sein im Klassenzimmer oder in anderen Räumen mit den Klassen. Viele Leute reduzieren ja den Beruf auf diese Tätigkeit. Ausflüge und Klassenfahrten möchte ich differenzierter betrachten, aber die waren alle irgendwie auch ok.
Wobei: folgendes kann passieren, wenn man eine Klasse, hier Fachabitur, selbst entscheiden lässt: Nun erklärt man wochenlang und variantenreich und in endlosen Monologen die Kultur (im allgemeinen) für die höchste, zivilisatorische Errungenschaft, die es unter allen Umständen zu verteidigen gilt (oder so ähnlich) und diese Klasse bestimmt, dass der Wandertag bzw. Wander-Vormittag, bei wunderbarem Wetter und in nächster Umgebung von zahlreichen UNESCO-Alternativen, in eine – ich nenne es mal – Spielhalle zu pilgern. Zwei Stunden schmerzhaft laute Spielautomatenbeschallung, furchtbare visuelle Beflackerung, quietschender Fussboden usw. Wahnsinn. … aber das war nur eine einzige Entgleisung bzw. Ausnahme.
-) alles Andere hingegen hat mirsehr wenig Spass gemacht, also genauer: die endlosen unsinnigen „inhaltlichen“ Sitzungen, „inhaltliche“ Gespräche, Sitzungen, Absprachen, Sitzungen, Planungen, etc. .. ach ja, und die vielen Sitzungen.
… ich nehme hier aber allgemeine Gespräche mit den vielen netten Kollegen aus.
Mein ständiger Gedanke dabei: Du verbringst so 70-90% deiner (Arbeits-) Zeit mit Dingen, die nichts bewegen, damit du 10-30% der Zeit Sachen machen darfst, die vielleicht etwas bewirken?
Die ehrliche Antwort ist also nicht: "Die Meetings waren schlimm." Sondern: Ich war besorgt, dass ich in noch weiteren zehn Jahren immer noch dort sitze. Gleicher Tisch. Gleicher Kaffee. Gleiche Klagen über das Gleiche. Und dass ich dann nicht mehr die Energie habe, etwas zu ändern bzw. etwas anderes anzufangen.
Also die Frage… hier nicht die finanzielle… die andere: Nicht "Kann ich mir leisten zu kündigen?", sondern: "Kann ich mir leisten, es nicht zu tun?"
Im September ziehen wir als Familie nach Spanien. Dieser Newsletter ist sozusagen das unreine Laborprotokoll; was funktioniert und was nicht funtioniert.
Wenn du überlegst, etwas Ähnliches zu tun — ob nach Spanien, Portugal, oder einfach nur aus dem Angestellten-Leben raus — dann schreibe ich das wahrscheinlich auch für dich. Antwort einfach, wenn du magst, ich lese jede Antwort.