Warum ich als Lehrer gekündigt habe
Warum ich als Lehrer gekündigt habe — nicht wegen der Meetings, sondern aus Angst vor dem Stillstand. Im September ziehen wir als Familie nach Spanien.
„Warum hast du gekündigt?"
Das ist so ziemlich die einzige Frage, die mir gestellt wird, wenn es um Jobs geht. Und jedes Mal zögere ich. Nicht weil ich es nicht weiß. Sondern weil die echte Antwort vielschichtig ist — und mir immer noch etwas unangenehm.
Was ich am Unterrichten liebte
Ich habe sehr gerne an Schulen unterrichtet. Wirklich sehr gerne. In den letzten mindestens zehn Jahren war ich an mehreren Schulen und unterschiedlichen Schulformen: Gymnasien, Berufsschulen, Fachoberschule — privat oder staatlich.
Da waren immer die zwei Teile:
Die eigentliche Arbeit mit den Schülern hat mir sehr viel Spaß gemacht. Das eigentliche Präsenz-Sein im Klassenzimmer oder in anderen Räumen mit den Klassen. Viele Leute reduzieren ja den Beruf auf diese Tätigkeit. Ausflüge und Klassenfahrten möchte ich differenzierter betrachten, aber die waren alle irgendwie auch ok.
Wobei: Folgendes kann passieren, wenn man eine Klasse — hier Fachabitur — selbst entscheiden lässt. Nun erklärt man wochenlang und variantenreich und in endlosen Monologen die Kultur für die höchste, zivilisatorische Errungenschaft, die es unter allen Umständen zu verteidigen gilt — und diese Klasse bestimmt, dass der Wandertag, bei wunderbarem Wetter und in nächster Umgebung von zahlreichen UNESCO-Alternativen, in eine — ich nenne es mal — Spielhalle zu pilgern. Zwei Stunden schmerzhaft laute Spielautomatenbeschallung, furchtbare visuelle Beflackerung, quietschender Fußboden. Wahnsinn. Aber das war nur eine einzige Entgleisung.
Was mich wirklich beschäftigt hat
Alles andere hingegen hat mir sehr wenig Spaß gemacht. Genauer: die endlosen unsinnigen „inhaltlichen" Sitzungen, „inhaltliche" Gespräche, Sitzungen, Absprachen, Sitzungen, Planungen. Ach ja, und die vielen Sitzungen.
Ich nehme hier aber allgemeine Gespräche mit den vielen netten Kollegen aus.
Mein ständiger Gedanke dabei: Du verbringst 70–90 % deiner Arbeitszeit mit Dingen, die nichts bewegen, damit du 10–30 % der Zeit Sachen machen darfst, die vielleicht etwas bewirken?
Die echte Frage
Die ehrliche Antwort ist also nicht: „Die Meetings waren schlimm." Sondern: Ich war besorgt, dass ich in noch weiteren zehn Jahren immer noch dort sitze. Gleicher Tisch. Gleicher Kaffee. Gleiche Klagen über das Gleiche. Und dass ich dann nicht mehr die Energie habe, etwas zu ändern bzw. etwas anderes anzufangen.
Also die Frage — hier nicht die finanzielle, die andere: Nicht „Kann ich mir leisten zu kündigen?", sondern: „Kann ich mir leisten, es nicht zu tun?"
Die Antwort war nein. Also haben wir den Hebel umgelegt: Im September ziehen wir als Familie nach Spanien. Dieser Newsletter ist sozusagen das unreine Laborprotokoll — was funktioniert und was nicht funktioniert.
Wenn du überlegst, etwas Ähnliches zu tun — ob nach Spanien, Portugal, oder einfach nur aus dem Angestellten-Leben raus —, dann schreibe ich diesen Newsletter auch für dich. Antworte einfach auf diese E-Mail, wenn du magst.