About - Blue in Green

About - Blue in Green

Der Name ist der Titel eines meiner Lieblingsstücke: Miles Davis, Kind of Blue, 1959. Alle paar Jahre lege ich die CD wieder in den alten CD-Player in der Küche ein. Jemand hat mir mal gesagt, das Album habe in den USA etwa den Status: super-mainstream, wird von Pseudo-Intellektuellen zu Weihnachten aufgelegt. Mich begeistert es trotzdem, insbesondere Bill Evans. Ich spiele Bass und Klavier, und als ich einen Namen suchte, fiel mir ehrlich gesagt nichts Besseres ein.

Hier geht es um ein Experiment.

Zehn Jahre lang habe ich unterrichtet. Mathe, Wirtschaft, Musik. Ich hatte mir immer eine feste Zeitspanne gesetzt: erst 5 Jahre, dann 7, und nach 10 konnte ich dann wirklich aufhören.

In diesen 10 Jahren ist mir eine Sache immer wieder passiert: In der Kennenlernrunde haben viele von ihrer Mathematik-Aversion und von den schlechten Vorerfahrungen und Noten berichtet. Und dann, nach einiger gemeinsamer Zeit, konnten einigen von ihnen sagen: „Mathe ist jetzt mein Lieblingsfach“. Ich sage das nicht, weil ich ein begnadeter Pädagoge (far from it) oder besonders schlau bin; ich habe einfach nur versucht, mir Zeit für diese Schüler – mit teils eher schwierigen Biographien – zu nehmen und die Dinge aus allen möglichen Winkeln immer wieder zu erklären versucht… oder von anderen Schülern erklären lassen.

Ich glaube, das ist der Grund, warum ich so lange geblieben bin. Nicht der Vertrag. Nicht die vermeidliche Sicherheit. Und vor allen Dingen nicht die Identität. Sondern der Moment, wenn ein Schüler sagt: „Bei Ihnen macht mir das richtig Spaß." Ich konnte jetzt länger darüber nachdenken und bin mir sicher: das hat mich gehalten….

Irgendwann hat es nicht mehr gereicht.

Dann habe ich gekündigt.

Aber in den 1-2 Jahren vor der Kündigung habe ich mir um 5 Uhr morgens, jeden Wochentag, den Wecker gestellt und vor der Schule etwas anderes beigebracht: Covered Calls. Ein Einkommenssystem, das im Moment für mich recht gut funktioniert; ich brauche dafür 1-2 Stunden pro Woche. Super-konservativ. Schon fast langweilig. Aber zuverlässig.

Jetzt lebe ich mit meinem Sohn in Spanien, Wohnung am Meer. Er hat schon Freunde – das war das Wichtigste. Seine Mutter kommt in ein paar Wochen nach.

Dieser Newsletter sind Notizen aus diesem Experiment. Was klappt, was schiefgeht, was sich verändert, wenn man alles verlässt und anders anfängt.

Kein Ratgeber. Ich habe keine ultimativen Antworten. Ich stelle mir die Fragen gerade selbst.



Wenn du selbst am Rand einer solchen Entscheidung stehst – nicht weil du weg willst, sondern weil du wissen willst, was möglich ist –, dann bist du hier vielleicht richtig.

Stephan

Kontakt: hello@blueingreen.world